Wieder romantische Klänge in der St. Laurentii-Kirche – 18. Mai 2017

Erweiterungsarbeiten an der Süderender Orgel abgeschlossen – Instrument um drei Klangregister ausgebaut

Die Orgel in der St.-Laurentii-Kirche hat sich ihrem ursprünglich romantischen Klang wieder ein Stück angenähert. Mit der Unterstützung großzügiger Spenden konnte die Kirchengemeinde das Instrument durch Um- und Neubau um drei klingende Register erweitern lassen. Eines besetzt nun einen der freien Plätze. Für die anderen beiden Register wurde auf vorhandene verzichtet, die sich über die Jahre als klanglich weniger brauchbar erwiesen haben.

Im II. Manual wurde auf den freien Platz die neue Gambe 8’ gesetzt. Diese besteht aus nagelneuen Pfeifen, die eigens für die Süderender Orgel angefertigt und intoniert wurden!

Die Spillpfeife 8’ im gleichen Manual – auf dem unteren Foto auf dem Boden liegend zu sehen – war im Klang zu kraftlos, um als „Partnerin” der neuen Gambe zu erklingen. Darum wurde ein Bordun 8’ eingebaut, der aus älteren Registern verschiedener Herkunft zusammengestellt und und klanglich angepasst wurde.

Ein freies Register ist im Pedalwerk noch frei. Geplant ist eine sogenannte Zungenstimme, wie z.B. eine Trompete oder eine Posaune. Im Pedalwerk nehmen die ca. 100 Jahre alten Holzpfeifen des Gedackt 8’ den Platz ein, den vorher die kaum genutzte „Rauschpfeife” hatte. Wie man auf dem Foto am helleren Holz erkennen kann, mussten  zwei der Pfeifen angelängt werden, um wieder auf den richtigen Ton zu kommen: Sie waren irgendwann abgesägt und mit einem aufgenagelten „Klingelbeutel” als Spendenpfeifen „missbraucht“ worden.

Die ursprünglich mit einem dreiteiligen neugotischen Prospekt von der Orgelbau-Anstalt Marcussen & Sohn aus Apenrade in Dänemark unter der Fabrikationsnummer 192 gebaute Orgel wurde am 30. Juni 1890 in der St. Laurentii-Kirche von Süderende eingeweiht. Darauf weist ein Fabrikantionsschild und ein manueller Eintrag im Ogelgehäuse hin.

Mit umfangreichen Umbauten 1948 und 1962 verlor sie leider ihren romantischen Klang. Von der Orgelbauwerkstatt Lobback (Hamburg) wurde das 18 Register auf zwei Manualen und Pedal umfassende Werk 1990 komplett renoviert. Seit dieser Zeit zeigte sie sich als neobarockes Instrument. Die Veränderungen am Pfeifenwerk waren so gravierend, dass vom ursprünglich romantischen, kräftigen und warmen Klang der Orgel nichts mehr vorhanden war. Solche Veränderungen romantischer Instrumente waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgrund des Zeitwandels und des Musikgeschmacks nicht unüblich.

2013 ist es durch einen Rückbau gelungen, die original historischen Luftbälge wieder in das Instrument zu integrieren. Seitdem kann die Orgel durch manuelles Balgtreten mit Wind versorgt werden. Durch die gleichmäßige Druckverteilung ist der Klang harmonischer als mit der elektrischen Luftversorgung.

Das Bedienen der Luftbälge wurde früher durch einen Helfer vorgenommen. Oftmals fungierten die Konfirmanden als Kalkanten (Balgtreter). Durch den Kalkantenruf wird der Kalkant vom Organisten auf den Beginn der Arbeit aufmerksam gemacht. Dazu benutzt der Organist einen Registerzug, der mit einem Glöckchen an der Balganlage verbunden ist. Durch den sogenannten geschöpften Wind über das Balgtreten verändert sich der Orgelklang und wirkt lebendiger und harmonischer.

Der Gedanke zur Erweiterung der Orgel durch den Einbau weiterer Klangregister bestand bereits seit ca. 1994 und konnte jetzt erfolgreich realisiert werden. Der Platz und die Technik dafür waren bereits vorhanden, um 3 von 4 freien Registern zu integrieren. Ziel der umfangreichen Maßnahme war es, dem Kircheninstrument seine Stimme und seinen Klangcharakter wiederzugeben. Somit verfügen die beiden Kirchenmusikerinnen nun beim Orgelspiel über vielfältigere Registermischungen und die Möglichkeit von farbenreicheren Klangintonationen. „Man kann dies mit dem Unterschied zwischen einem Kammer- und einem Symphonieorchester vergleichen“, erläuterte der Orgelbauer Saure von der Paschen Orgelbau GmbH in Kiel.

Zwischen dem 15. und 18. Mai 2017 konnte nunmehr das Kircheninstrument um drei weitere Register erweitert werden. Neben metallischen Zinn- und Bleipfeifen von Orgeln aus anderen Kirchen, die größte davon ist ca. 3 Meter hoch (Viola da Gamba), sind über 100 Jahre alte hölzerne Pfeifen zum Ausbau der klingenden Register eingesetzt worden, die aus der Bauzeit der Marcussen-Orgel stammen und erfreulicherweise noch im Lager der Fa. Paschen vorhanden waren. Damit verfügt die Orgel nun insgesamt über 1404 Pfeifen. Die Vorbereitungsarbeiten in der Werkstatt benötigten insgesamt rund 3 Wochen.

Im Gottesdienst am 21. Mai 2017 konnte sich die Gemeinde erstmals am neuen Klang der Orgel erfreuen.

By | 2017-07-21T11:01:48+00:00 Mai 19th, 2017|Aktuelles|0 Comments

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